OpenAI hat für seine macOS-ChatGPT-App ein neues Feature namens „Computer History“ eingeführt, das Benutzerinteraktionen über die Systemoberfläche aufzeichnet. Im Gegensatz zu Microsofts kontroversem Recall-Feature, das Screenshots speicherte, erfasst das Tool stattdessen Ereignis-ähnliche Daten wie Tastatureingaben, App-Wechsel und Klicks. Diese Informationen werden lokal auf dem Gerät für maximal 48 Stunden gespeichert und an OpenAI-Server übertragen, um im Chat-Kontext „Memories“ zu generieren. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und steht zunächst nur Pro-, Business- und Enterprise-Kunden außerhalb der EU, Großbritanniens und der Schweiz zur Verfügung. OpenAI betont, dass keine Bildschirminhalte, Mikrofon- oder Systemaudiodaten erhoben werden und die Daten nicht für das Modelltraining genutzt werden. Kritiker weisen jedoch auf potenzielle Schwachstellen hin: Die lokale Speicherung unverschlüsselter Daten erhöht das Risiko von Angriffen, und Prompt-Injection-Attacken durch bösartige Webseiteninhalte könnten die KI-Manipulation erleichtern.

Technik versus Datenschutz

Das „Computer History“-System basiert auf macOS-Bedienungshilfen, um Interaktionen strukturiert zu protokollieren. Technisch erinnert dies an einen Keylogger, jedoch ohne visuelle Aufzeichnungen. Dies soll die Privatsphäre im Vergleich zu Microsofts Lösungsansatz verbessern – doch die unverschlüsselte lokale Speicherung sorgt für Unbehagen bei IT-Verantwortlichen. Besonders kritisch ist die Gefahr, dass sensible Informationen auf Webseiten unbemerkt in den KI-Kontext gelangen könnten. OpenAI warnt selbst vor diesem Risiko, räumt jedoch ein, dass solche Szenarien bei gezielter Ausnutzung möglich sind. Die Abwesenheit von Verschlüsselung bei den Daten lagert zusätzlich Fragen zur IT-Sicherheit auf.

Eingeschränkte Verfügbarkeit und strategische Ausrichtung

Die Einführung des Features erfolgt vorsichtig: Es ist opt-in und beschränkt auf bestimmte Kundengruppen. Dies deutet darauf hin, dass OpenAI zunächst Feedback aus Unternehmen sammeln will, bevor eine breitere Verbreitung erfolgt. Die EU-Ausnahme ist möglicherweise auf datenschutzrechtliche Unsicherheiten zurückzuführen. Für Marketer könnte die Funktion Interesse wecken, da sie allegedly personalisierte Chat-Erlebnisse ermöglicht – allerdings bleiben die tatsächlichen Nutzungsmöglichkeiten und der tatsächliche Mehrwert für Kunden offen. Die langfristigen Implikationen für die KI-Entwicklung bleiben abzuwarten.

Die Entscheidung von OpenAI, auf Microsofts Screenshot-basierte Methode zu verzichten, zeigt eine klare strategische Richtung – doch die Risiken sind nicht weniger real.