Die KI-Branche steckt in einer paradoxen Krise: Die Technologie, die das Wissen der Welt digitalisieren sollte, hat das Internet mit so viel minderwertigem KI-generiertem Text („AI Slop“) geflutet, dass die Modelle nun Gefahr laufen, an ihren eigenen oder fremden KI-Outputs zu degenerieren – das Phänomen des „Model Collapse“. Die Lösung? Zurück zum analogen Ursprung: Tech-Konzerne kaufen massenhaft gedruckte Bücher auf, die vor 2022 veröffentlicht wurden, um saubere, rein menschlich verfasste Trainingsdaten zu erhalten.

Millionen-Bestellungen unter Anonymität

Die Buchdatenbank ISBNdb vermittelt Großbestellungen von 1.000 bis zu einer Million Büchern pro Auftrag an KI-Labore. Dabei sichern die Käufer sich vertraglich strikte Anonymität zu – aus gutem Grund. Denn die Bücher müssen für den Scanprozess oft physisch zerstört werden. ISBNdb warnt intern vor einem massiven Imageproblem („Optics Problem“), falls diese Praxis an die Öffentlichkeit gelangt. Schon jetzt berichten Buchhändler seit April 2026 von einem historisch beispiellosen Anstieg der Verkaufszahlen alter, sonst schwer verkäuflicher Bücher an anonyme Großabnehmer.

Ethische und urheberrechtliche Fragen

Neben der Zerstörung von Kulturgut wirft der Aufkauf auch die Urheberrechtsfrage auf: Dürfen KI-Unternehmen urheberrechtlich geschützte Werke ohne Lizenzierung für das Training nutzen? Zwar gelten Bücher vor 2022 als „sicher“, aber die Debatte um eine faire Vergütung von Autoren bleibt. Die Ironie ist perfekt: Die Industrie, die das Ende des gedruckten Buches prophezeite, ist nun auf seine Rettung angewiesen – und zerstört es dabei selbst.

Für Marketiers bedeutet dies: Wer KI-generierte Texte einsetzt, muss sich der Qualitätsrisiken bewusst sein. Die Jagd nach „reinen“ Daten zeigt, wie anfällig aktuelle Modelle für die eigene Vergangenheit sind. Langfristig könnte dies den Trend zu spezialisierten, kuratierten Datensätzen und hybriden Ansätzen verstärken – eine Chance für Anbieter mit geprüften Quellen.