Eigentlich sollte Gemini 3.5 Pro im Juni 2026 erscheinen – so hatte es CEO Sundar Pichai auf der Google I/O versprochen. Doch daraus wird nichts: Laut Bloomberg verschiebt Google den Start um mehrere Monate. Hauptgrund sind unzureichende Programmierfähigkeiten. Selbst ein Update der Trainingsdaten Ende Juni brachte keine Besserung. Das ist ein herber Rückschlag im KI-Wettrüsten – und ein Warnsignal, dass selbst Giganten an Grenzen stoßen.

Interne Blockaden und Richtungsstreit

Die Verzögerung sorgt intern für Frustration. Googles Konzernstruktur erweist sich als Bremsklotz: Teams von DeepMind, Google Cloud und Android entwickeln eigene Coding-Tools und konkurrieren um Rechenleistung. Hinzu kommt ein ideologischer Graben: Puristische Ingenieure pochen darauf, dass kritischer Code weiterhin von Menschen geschrieben wird. Das bremst die KI-Integration aus. Zudem muss jedes neue Modell durch unzählige Produkte wie Suche, Maps und YouTube geschleust werden – ein bürokratischer Albtraum.

Der agentische Coding-Rückstand

Pichai räumte bereits ein, dass Google bei agentischem Coding hinterherhinkt – also KI, die selbstständig plant, Tools nutzt und Code über mehrere Dateien schreibt. Anders als Microsoft (GitHub Copilot) oder Startups wie Cursor fehlt Google ein dominantes, entwicklerfokussiertes Produkt, das reale Nutzungsdaten liefert. So fehlt schlicht das Trainingsmaterial. Während OpenAI und Anthropic ihre Modelle trotz Regulierung auf den Markt bringen, verliert Google wertvolle Zeit.

Die Aktie von Alphabet fiel nach Bekanntwerden um über 4 Prozent. Kein Wunder: Der Markt bestraft Unsicherheit. Doch der Fall zeigt auch, dass reine Rechenleistung nicht alles ist – hochspezialisierte logische Fähigkeiten wie Programmieren bleiben eine enorme Herausforderung. Google muss nun schnell liefern, sonst droht der Anschluss endgültig verloren zu gehen.