Die EU-Kommission hat ChatGPT erstmals als „sehr große Online-Suchmaschine“ im Sinne des Digital Services Act (DSA) eingestuft. Das berichtet zdfheute.de. Damit unterliegt der Chatbot von OpenAI künftig verschärften Kontroll- und Rechenschaftspflichten – ähnlich wie etablierte Suchmaschinen und Plattformen.

Was die Einstufung bedeutet

Die Einstufung als „sehr große Online-Suchmaschine“ ist eine neue regulatorische Kategorie für KI-gestützte Dienste. Sie überträgt das bisherige Regulierungsmodell für klassische Suchmaschinen auf einen generativen Chatbot. Konkret muss OpenAI künftig stärker gegen illegale Inhalte vorgehen, Minderjährige besser schützen und Risiken für Grundrechte, Wahlprozesse und öffentliche Sicherheit adressieren. Die EU-Kommission erhält zudem weitreichende Untersuchungsbefugnisse und kann bei Verstößen hohe Geldbußen verhängen.

Bemerkenswert ist die rechtliche Einordnung: ChatGPT wird nicht als Plattform, sondern als Suchmaschine behandelt, weil er Nutzern auf Anfrage Informationen bereitstellt – auch wenn diese Antworten generativ erzeugt werden. Damit könnte die Entscheidung zum Präzedenzfall für andere KI-Assistenten werden. Die praktische Tragweite hängt davon ab, wie die Kommission die Such-, Antwort- und Empfehlungssysteme von ChatGPT technisch abgrenzt und welche konkreten Auflagen sie daraus ableitet.

Frist bis Ende November 2026

OpenAI hat nun Zeit, die neuen Anforderungen umzusetzen. Die Frist läuft bis Ende November 2026. Bis dahin muss das Unternehmen transparent machen, wie seine Modelle trainiert werden, wie es mit Desinformation umgeht und welche Maßnahmen es zum Schutz Minderjähriger ergreift. Auch die Zusammenarbeit mit nationalen Aufsichtsbehörden wird intensiviert.

Die Einstufung ist ein wichtiger Schritt für die Regulierung von KI in der EU. Sie zeigt, dass der DSA auch für neue Technologien anwendbar ist und die Kommission bereit ist, bestehende Gesetze auf KI-Assistenten auszuweiten. Kritiker bemängeln jedoch, dass die konkreten Pflichten noch unklar sind und die Umsetzung lange dauern könnte. Befürworter sehen darin einen notwendigen Schutz für Verbraucher und Demokratie.

Fazit

Die Entscheidung der EU-Kommission ist ein Meilenstein: Erstmals wird ein KI-Chatbot als systemisch relevant eingestuft. Sie sendet ein starkes Signal an die Branche, dass auch generative KI-Dienste künftig strenger reguliert werden. Ob die neuen Regeln ausreichen, wird sich zeigen – aber der Schritt ist ein wichtiger Baustein für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI in Europa.